Weniger, echter, lächelnder – Warum bewusster Urlaub mehr mit uns selbst zu tun hat, als wir denken
- martinkraemer85
- 7. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Manchmal merkt man erst im Nachhinein, dass etwas nicht ganz gestimmt hat. Alles war eigentlich in Ordnung – das Wetter gut, das Essen reichlich, das Zimmer sauber. Und doch blieb da dieses leise Gefühl, dass etwas fehlte.

Wir hatten schon länger überlegt, Urlaub einmal anders zu machen, mit weniger Trubel und mehr Bewusstsein, aber diesmal haben wir es nur zum Teil umgesetzt. Es sollte einfach unkompliziert und günstig sein, und so landeten wir in einem Hotel mit großem Buffet. Praktisch, ja. Aber irgendwie seelenlos. Niemand war unfreundlich, und trotzdem fehlte etwas Entscheidendes: Wärme. Es gab kaum Blicke, keine kleinen Gesten, kein Lächeln. Jeder war in seiner eigenen Welt, höflich distanziert, aber gleichgültig. Und genau diese Gleichgültigkeit hat mich mehr beschäftigt als alles andere.
Urlaub ist doch eigentlich die Zeit, in der man wieder Mensch sein darf. Raus aus der Routine, rein ins Leben. Doch was, wenn wir auch dort nur funktionieren – Konsumieren, Essen, Liegen, Weiterziehen – ohne wirklich da zu sein? Es ist fast paradox: Je mehr Möglichkeiten wir haben, desto weniger spüren wir manchmal. Vielleicht, weil wir verlernt haben, einfach zu sein. Nicht perfekt, nicht organisiert, nicht dauerbeschäftigt. Nur da.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist das gar nicht so abwegig. Studien zeigen, dass echte Erholung weniger mit Luxus oder Distanz zu tun hat, sondern mit Präsenz. Mit Achtsamkeit. Unser Gehirn regeneriert sich nicht, wenn wir einfach nur „nichts tun“, sondern wenn wir bewusst wahrnehmen – Düfte, Geräusche, Berührungen, Gespräche. Ein Spaziergang am Meer kann heilsamer sein als jede Spa-Behandlung, wenn man wirklich im Moment ist. Und dieses Bewusstsein lässt sich nicht kaufen, man muss es sich erlauben.
Aus spiritueller Sicht – und ich meine das nicht abgehoben, sondern sehr menschlich – geht es genau darum: wieder Verbindung zu finden. Zu sich selbst, zu anderen, zur Natur. Wir leben in einer Welt, die uns ständig erzählt, dass mehr immer besser ist. Mehr Auswahl, mehr Luxus, mehr Erlebnis. Doch eigentlich suchen wir weniger. Weniger Druck, weniger Ablenkung, weniger von allem, was laut ist. In der Stille, in der Einfachheit, finden wir wieder das, was uns nährt. Und vielleicht braucht es genau das: bewusster reisen, kürzer, ehrlicher, echter.
Aber zurück zu diesem Hotel. Ich frage mich, wäre es wirklich zu viel, einfach zu lächeln? Dieses kleine, scheinbar bedeutungslose „Doing“, das aber alles verändern kann. Ein Lächeln schafft Verbindung, öffnet Räume, bringt Wärme. Es kostet nichts und wirkt trotzdem wie Magie. Biologisch gesehen schüttet der Körper beim Lächeln Oxytocin aus – das sogenannte „Bindungshormon“. Spirituell gesehen ist es pure Energie, die sich teilt. Menschlich gesehen ist es einfach schön. Vielleicht beginnt genau dort der Unterschied zwischen einem Urlaub und einem guten Urlaub: im echten Kontakt.
Wir haben uns danach fest vorgenommen, es das nächste Mal anders zu machen. Weniger wird künftig mehr sein. Ein kürzerer Aufenthalt, aber mit Menschen, die anwesend sind. Mit Essen, das man schmeckt, weil es mit Liebe gemacht ist. Mit Orten, die man nicht konsumiert, sondern erlebt. Und vor allem mit Begegnungen, die sich echt anfühlen.
Denn Urlaub ist kein Zustand, den man bucht – es ist eine Haltung. Es beginnt in dem Moment, in dem man wieder lächelt. Vielleicht ist das der Schlüssel zu allem: Nicht mehr zu suchen, sondern wieder zu spüren.
Hotel ohne ein Lächeln. Wir waren mal in einem Hotel mit Buffet, was in der Form gar nicht so unseres ist, aber der Preis war wichtiger. Man hat sich zwar nicht angerempelt, aber es gab nie auch nur eine Regung, wenn man jemanden durchgelassen hat. Eine enorme Gleichgültigkeit unter den Gästen. Das hat mir gar nicht gefallen. Wäre es denn zu viel Doing, wenn man im schlimmsten Fall jeden anlächelt? Kein schönes Miteinander, auch wenn man im Urlaub vielleicht seine Ruhe haben will. Ich würde behaupten: Mit Lächeln (extra Doing) wird der Urlaub noch „urlaubiger“ 🥰 Wir haben schon vorher überlegt, anders Urlaub zu machen, aber diesmal nur zum Teil umgesetzt. Jetzt ist es fix: Weniger wird künftig mehr sein. Kürzerer Aufenthalt, mit anderen Gästen, besserem Essen und insgesamt nachhaltiger. Weil das sind auch die Punkte, die einen Urlaub wirklich schön und erholsam machen.




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